Als »Digitaler Binnenmarkt« wird ein »Digitaler Markt« innerhalb eines abgegrenzten territorialen Gebietes bezeichnet, in dem ein freier Austausch von Waren, Dienstleistungen, Kapital und Arbeitnehmern unter einheitlichen Bedingungen gewährleistet ist.

Die Etablierung eines »Digitalen Binnenmarktes« ist eine Maßnahme der Digitalen Transformation des ökonomischen Systems »Markt«, mit dem im Zuge des Digitalen Wandels eine Anpassung der traditionellen Marktstrukturen, welche noch im Industriezeitalter geschaffen wurden, an die Bedingungen des durch die Digitale Revolution eingeleiteten Digitalen Zeitalters vollzogen wird.

Wie auch der Terminus »Digitaler Markt« wird der Ausdruck »Digitaler Binnenmarkt« in mehreren Bedeutungsvarianten gebraucht.

In der ersten Bedeutung bezieht sich das Adjektiv digital auf die Marktorganisation. Ein »Digitaler Binnenmarkt« in diesem Sinn lässt sich definieren als das in einem bestimmten Territorium unter einheitlichen Bedingungen erfolgende Aufeinandertreffen von Angebot und Nachfrage, welches auf der Grundlage digitaler Informations- und Kommunikationstechnologien zustande kommt. In dieser Bedeutung charakterisiert der Ausdruck ein Marktgeschehen, dass sich auf einer digitalen Plattform wie beispielsweise einem virtuellen Marktplatz entfaltet.

In der zweiten Bedeutung bezieht sich das Adjektiv digital auf die Marktobjekte. Ein »Digitaler Binnenmarkt« in diesem Sinn lässt sich definieren als ein »Markt« innerhalb eines abgegrenzten territorialen Gebietes, in dem ein freier Austausch von Digitalen Gütern, Rechten und Leistungen unter einheitlichen Bedingungen gewährleistet ist.

Die konstitutiven Merkmale eines »Digitalen Binnenmarktes« sind – wie auch die eines »Binnenmarktes« im Allgemeinen – die territoriale Disjunktion und die auf Souveränität gründende einheitliche Rechtssetzung. Daher erstreckt sich ein »Binnenmarkt« üblicherweise auf das territoriale Gebiet eines souveränen Gemeinwesens oder eines Bündnisses solcher Gemeinwesen. Dementsprechend ist ein »Digitaler Binnenmarkt« zu definieren als der »Digitale Markt« innerhalb eines Staates oder eines suprastaatlichen Bündnisses, in dem ein freier Austausch von Waren, Dienstleistungen, Kapital und Arbeitnehmern unter einheitlichen Bedingungen gewährleistet ist. Mit dem Begriff »Digitaler Binnenmarktes« wird eine räumliche Konkretisierung des allgemeinen Marktbegriffes vorgenommen, durch die eine Abgrenzung zu den Marktbedingungen und Transaktionsmodalitäten jenseits der territorialen Grenzen betont werden soll.

Aufmerksamkeit erhält der Begriff »Digitaler Binnenmarkt« in der öffentlichen Diskussion insbesondere im Hinblick auf die von der Europäischen Union geplante Entwicklung eines einheitlichen europäischen Marktes für die digitale Wirtschaft. Die Schaffung eines europaweiten digitalen Binnenmarktes ist Teil der »Digitalen Agenda für Europa« im Rahmen der Strategie »Europa 2020«.

Zitierhinweis

Die vorstehende Definition wurde im Rahmen des Digital Era Framework von Dr. Dr. Jörn Lengsfeld vorgeschlagen. Die Erstveröffentlichung des Textes erfolgte in: Jörn Lengsfeld: Digital Era Framework. Ein Bezugsrahmen für das digitale Informationszeitalter. Bitte verweisen Sie auf die Originalpublikation, falls Sie den Text zitieren.